Hallo,
Fenbendazol im Panacur ist ein enger Verwandter des Flubendazol. Genaugenommen unterscheiden sie sich dadurch, dass der endständige Bezolring des Flubendazol in para-Stellung fluoriert ist. Die hohe Elektronegativität des Fluors wird das Molekül zwar etwas polarer machen, und damit die Wasserlöslichkeit etwas verbessern, aber die Wasserlöslichkeit von Mebendazol wird mit < 0,01% angegeben und durch die Fluorierung wird es nicht wesentlich besser.
Man kann als getrost annehmen, dass Fenbendazol nahezu wasserunlöslich ist und sich daher auch nur äußerst eingeschränkt mit Wasserwechseln aus dem Aquarium entfernen lässt.
In seiner originären Anwendung wird das Mittel den befallenen Tieren oral verabreicht und wandert durch den Magen-Darm-Trakt. Der Wirkstoff wird nicht reosrbiert, was aber auch nicht erforderlich ist, da das Mittel ja gegen Würmer und deren Eier im Verdauungstrakt wirken soll.
Beim Befall von Geweben mit Endoparasiten wird das Medikament über mehrere Tage subkutan verabreicht, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen. Die Ausscheidung des Mittels hält dann bis zu 10 Tagen an, was ebenfalls für eine schlechte Verstoffwechselung spricht, da es relativ lange dauert den Wirkstoff in ausscheidbare Metabolite zu verwandeln. Eine Elimination über die Nieren erfolgt z.B. nur bei ausreichender Löslichkeit.
Auf der anderen Seite findet aber ein bakterieller bzw. chemischer Abbau statt (fragt mich bitte nicht, welche Bakterien das machen oder wie lange so etwas dauert): Untersuchungen an der Gülle von Nutztieren haben nämlich gezeigt, dass die Konzentration des Wirkstoffs in der Gülle während der Lagerung abnimmt.
Zur Wirkungsweise des Fenbendazol sei vielleicht noch folgendes hinzugefügt:
Flubendazol ist ein Mikrotubuli-Inhibitor, d.h. es blockiert die Enzyme, welche zum Aufbau der Mikrotubili des Zellskeletts erforderlich sind. Dies hat mehrere Auswirkungen auf die betroffene Zelle:
1. Die Mikrotubuli sind quasi Leitschienen des intrazellulären Transports d.h., Stoffe werden von sog. Motorproteinen entlang der Mikrotubuli zur Peripherie oder zum Zentrosom transportiert. Der Auf- und Abbau der Mikrotubuli iist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem das Mikrotubuli-Gerüst permanent auf-, ab- und umgebaut wird. Wird der Aufbau der Mikrotubuli blockiert, so destabilisiert das Zellgerüst, gleichzeitig fehlen die Verkehrswege zum Stofftransport, wodurch der Stoffwechsel schwer gestört wird.
2. Während der Zellteilung werden die Chromosomen an ihrem Mittelpunkt, dem Zentromer an spezielle Mikrotubuli geheftet, andere Mikrotubuli drücken dann durch gegeneinander gerichtetes Wachstum die Zelle auseinander, teilen dabei die Chromosomen und verteilen sie auf die beiden Zellhälften, welche nach Abschnürung zu 2 Tochterzellen werden.
Unterbricht man das Mikrotubuliwachstum an dieser Stelle, so unterbricht man die Zellteilung und die Zelle bleibt mitten in der Teilung stecken. Auf diese Weise arbeiten auch Chemotherapeutika, wie z.B. Taxol, welches in der Tumortherapie verwendet wird. Man kann sich vorstellen, dass hiervon besonders Zellen mit hoher Teilungsrate betroffen sind, und embryonale Zellen, die sich quasi in der Dauerteilung befinden, werden besonders stark geschädigt, weshalb Fenbendazol auch gegen die Eier entsprechend sensibler Parasiten wirkt.
Hier liegt auch die Erklärung für die allgemein gute Verträglichkeit des Flubendazols begründet, denn eigentlich gehört auch die Darmschleimhaut zu den Zellen, welche sehr hohe Teilungsraten aufweisen. Da das Fenbendazol aber spezifisch gegen die Enzyme zur Mikrotubulisynthese von Helminthen (Würmer) wirkt, geht es am eigentlichen Patienten relativ spurlos vorbei.
Fazit: Da Panacur sich nicht löst, kann man es auch nicht durch Wasserwechsel entfernen und muss auf seinen Abbau hoffen. Wie lange der unter Aquarienbedingungen dauert, hat die Wissenschaft meines Wissens allerdings noch nicht ausprobiert. Zumindest habe ich keine Publikation dazu in den einschlägigen Wissenschaftdatenbaken entdecken können.
VG vom Himalaya
Yeti